Schneewittchen und Stoppelchen

 

Die beiden Ponys wurden 1996 aus einem Berliner Zirkus von uns übernommen.
Während die artwidrige Haltung von Wildtieren mittlerweile oft sogar schon (aufmerksamen) Besuchern ins Auge fällt, wird das Leid der kleinen Pferde schnell übersehen. Angebunden, in kleine Zeltabschnitte gepfercht, keine Bewegungsmöglichkeit außer der Probe- und Vorstellungszeiten fristen viele Zirkusponys, mangelhaft gefüttert und tiermedizinisch unterversorgt, ihr Dasein. Hinzu kommt noch der quälende Krach, da der Hörsinn bei Pferden ständig aktiv ist.
Häufig haben Ponys noch eine weitere Aufgabe zu erfüllen: Sie tragen die Kinder Stunde um Stunde und Runde um Runde auf ihrem Rücken. Für diese „Reitstunden“ werden kleine Zirkel angelegt, deren Durchmesser so gering ist, dass die Pferde ständig ihre linke Vorderhand einseitig belasten müssen und im Laufe der Zeit schwere Schäden an Beinen, Rücken und Wirbelsäule entwickeln.
Schneewittchen und Stoppelchen haben fast mehrere Jahre lang unzählige Kilometer auf derartigen „Reitbahnen“ in einem Zirkus zurückgelegt und mussten mit dem Zirkus von Ort zu Ort ziehen. Schläge auf das Hinterteil, Tritte in den Bauch und schneidende Trensenringe durch scharfes Ziehen am Zügel erduldend – bis eine Tierfreundin die Geschäftsstelle Berlin informierte, erschüttert ob der rohen Behandlung und des schlechten Zustands der Ponys.
Nie wird Hans-Hermann Lange (der Besitzer des Gnadenhofes), der sein Leben mit Pferden verbracht hat, vergessen, wie die beiden Ponys nach der Ankunft 1996 erst unsicher, dann zunehmend befreit ihren ersten Galopp über die Weide unternahmen. Schneewittchen, im Laufe der Jahre immer heller geworden, muss inzwischen fast 30 Jahre alt sein und scheint sich vorgenommen zu haben, auch noch das nächste Jahrzehnt zu schaffen. „Sie wird tatsächlich immer jünger“, sagt der Pferdemann Lange lächelnd, „weil sie jeden Tag in vollen Zügen genießt!“
Sommers wie winters haben sie eine Wiese auf der sie laufen können. Sie genießen ihre Freiheit, kommen meistens gleich angelaufen, wiehern und genießen ihr Leben mit den beiden weiteren Gnadenhoftieren (Mary und Basti) des bmt e.V. zusammen.

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